|
Lehrer- und Erzieher-Infos
Um Ihnen als Lehrer und Erzieher ein “Grundgerüst” zu geben, sind nachstehend wichtige Hinweise aufgeführt. Am Beispiel eines kleinen Tagesausschnitts - nämlich dem Aufstehen und Frühstück - wollen wir Ihnen auch einen Einblick in das Leben eines diabetischen Kindes verschaffen bzw. verdeutlichen, was es bereits vor der 1. Schulstunde hinter sich hat. Hierbei geht es nicht darum Mitleid zu erregen (das Kind empfindet diese Prozeduren ohnehin als normal), sondern es soll Ihnen ein entsprechendes Einfühlungsvermögen vermitteln:
“Nach dem Aufstehen erfolgt zuerst mittels eines Teststreifens beim Toilettengang eine Ketones- und Urinzuckerüberprüfung (siehe Hyperglykämie), um in die vergangene Nacht zu “schauen” (vor allem zu Beginn der Erkrankung). Anschliessend wird der Blutzucker gemessen - dazu wird mit einer Stechhilfe der Finger angestochen und ein Tropfen Blut auf einen Teststreifen gegeben. Aufgrund des Ergebnisses spritzt sich das Kind oder die Eltern eine entsprechende Menge Insulin gem. des Verordnungsbogens. Bei Verwendung von Normalinsulin hat es noch einen Spritz-Ess-Abstand” von 15-30 Minuten (abhängig vom Blutzuckerwert) einzuhalten, bevor es das, genau nach dem Verhältnis Broteinheiten zu gespritzen Insulineinheiten berechnete Frühstück, verzehren kann. Darüber hinaus haben die Eltern (oder das Kind selbst) die notwendigen Zwischenmahlzeiten für die Schulzeit mit günstigen Lebensmitteln vorzubereiten. Diese Mahlzeiten sind für diesen Schultag, abhängig von der gespritzten Insulindosis und den “geschätzten” körperlichen (z.B. Sportunterricht) und geistigen Anforderungen (z.B. schwierige Klassenarbeit), ebenso nach Broteinheiten zu berechnen und entsprechend abzuwiegen. Jetzt geht das Kind zur Schule.”
Wichtige Hinweise für Lehrer, Betreuer und Erzieher:
- Diabetische Kinder sind den Anforderungen der Schule ebenso gewachsen wie andere Kinder. Sie sollten weder besonders nachsichtig beurteilt noch intellektuell geschont werden. Eine Sonderstellung in der Klasse ist unbedingt zu vermeiden.
- Diabetische Schüler können an allen schulischen Aktivitäten teilnehmen, sie benötigen nur etwas mehr Aufmerksamkeit des Lehrers sowie der Mitschüler
- Das Thema sollte deshalb in der Klasse besprochen werden
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) wird mit einem regulierenden Ernährungsplan (6-7 Mahlzeiten am Tag) und mit regelmäßigen Insulininjektionen behandelt. Bei Kleinkindern wird meist die konventionelle Therapie praktiziert und morgens sowie abends gespritzt. Bei Schulkindern wird häufig die intensivierte Therapie angewendet, hier erfolgen täglich 4 Injektionen.
- Insulin und körperliche Tätigkeit senken den Blutzucker, Nahrungsaufnahme erhöht ihn
- Zu wenig oder verspätete Nahrungsaufnahme oder auch verstärkte körperliche Aktivität (Turnen, Schwimmen, Wanderungen, Spielen...) können zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) führen. I.d.R. müssen deshalb diabetische Kinder zusätzliche Nahrung zu sich nehmen, um dies zu vermeiden. Gelegentliches Nachfragen nach vorgesehenen Mahlzeiten sind wegen häufigen Vergessens (z.B. beim Spiel) sinnvoll.
- Anzeichen für eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) können sein:
- Schwitzen
- Blässe
- Schwäche
- Zittern (Hände, Knie)
- ungewohnte Unaufmerksamkeit
- ungewohnte krakelige Schrift
- verlangsamte Sprache (schwere Zunge)
- Wesensveränderung
- Diabetischen Kindern muss es, zur Vermeidung einer Unterzuckerung, gestattet sein jederzeit, im Extremfall auch während des Unterrichts, zu essen und zu trinken
- Bei erkennbarer Unterzuckerung sollte das Kind sofort zu rascher Nahrungsaufnahme aufgefordert werden (Traubenzuckerplättchen hat das Diabetes-Kind i.d.R dabei), auch im Unterricht. Evtl. Ablehnung oder aggressives Verhalten können bereits ein Anzeichen fortgeschrittener Unterzuckerung sein und müssen deshalb mit Güte aber Bestimmtheit überwunden werden. Auch sollte ein Kind in der Hypo niemals alleine nachhause geschickt werden
- Die Insulintherapie sieht die Selbstmessung des Blutzuckerspiegels und die Selbstgabe von Insulin vor. Aufgrund individueller Therapieformen muss es gestattet sein jederzeit, auch während des Unterrichts, den Blutzucker zu messen und Insulin zu spritzen
- Bei Bewußtlosigkeit infolge einer schweren Hypoglykämie muß rasch geholfen werden: Keinesfalls flüssige oder feste Nahrung zuführen (Verschlucken und Ersticken!), sondern:
- stabile Seitenlage (wie bei Verkehrsunfall)
- Arzt rufen (Diagnose: Diabetes | Anlass: schwere Hypoglykämie (Unterzuckerung))
- Eltern benachrichtigen
- Es sollte die Rufnummer des behandelnden Arztes oder des Krankenhauses sowie der Eltern bekannt sein
- Ein enger Kontakt und Erfahrungsaustausch zwischen den Eltern und Lehrern sollte gepflegt werden, weil die daraus gewonnenen Erkenntnisse wichtige Faktoren einer erfolgreichen Therapie sind
Nachstehend können Sie sich (ale Erzieher/in, Lehrer/in oder Eltern) folgende Broschüren herunterladen:
|